Kapitel 3
Der Berg ruft – und warnt
Robert breitete seine Notizen auf dem Küchentisch aus, als wäre er dabei, eine Schatzkarte zu zeichnen. Die Blätter rochen nach Tinte und nach dem Bleistiftstaub, der sich immer dann sammelte, wenn er schnell und aufgeregt schrieb. Neben seinen Aufzeichnungen lag das alte Buch der Desert Scholars, das er aus dem Regal im Flur geholt hatte, ein schwerer, in rotes Leder gebundener Band, dessen Seiten an den Rändern goldbraun geworden waren wie Herbstblätter kurz vor dem Fall.
„Ich habe die Flugbahn des Majestic Eagles nachverfolgt", sagte er und legte den Zeigefinger auf eine geschwungene Linie, die er mit roter Tinte in sein Notizbuch gezogen hatte. „Dreimal ist er über das Tal gekreist, immer in derselben Richtung. Er kam von den Celestial Mountains. Genau von dort." Er schlug das alte Buch auf und zeigte auf einen Absatz, den jemand vor langer Zeit mit zitternder Hand unterstrichen hatte. „Die Pyrakian-Aufzeichnungen nennen das ein Erwachen. Tief in den Lavahöhlen lebt manchmal ein Feuer-Elementarwesen, das jahrhundertelang schläft. Wenn es aufwacht, glühen die Felswände. Wenn es nicht beruhigt wird, schickt es glühende Aschestürme ins Tal."
Mary stand am Herd und drehte die Tasse in ihren Händen, obwohl der Tee längst kalt war. Sie sah aus dem Fenster auf die Berge, deren Gipfel heute Morgen in einem merkwürdig orangefarbenen Dunst verschwanden. Dann nickte sie langsam, so wie sie immer nickte, wenn sie etwas verstand, das ihr gar nicht gefiel.
„Wir gehen gemeinsam", sagte sie ruhig. „Wir beobachten zuerst. Wir hören zu, bevor wir handeln."
James hatte kaum gewartet, bis der Satz zu Ende war.
Er sprang vom Stuhl auf, und seine Knie stießen gegen die Tischkante, sodass Roberts Notizen kurz aufwirbelten wie aufgescheuchte Vögel. „Ich kann das allein erledigen!" Er sagte es so fest, als wäre die Sache damit beschlossen. „Ich kenne jeden Pfad in den Celestial Mountains. Ich bin schnell genug. Und ich habe keine Angst vor ein bisschen Hitze und Asche."
Er meinte es ehrlich. In seiner Brust saß dieses Kribbeln, das sich anfühlte wie ein kleines Feuer für sich allein, ein Feuer aus Mut und Ungeduld und dem tiefen Wunsch, der Erste zu sein, der etwas in Ordnung bringt.
Robert schaute ihn an, nicht streng, aber sehr ernst. „James." Nur das eine Wort, und es hatte mehr Gewicht als ein ganzer Satz.
Mary stellte die Tasse auf den Tisch und sah ihren Sohn an, mit diesem Blick, der keine Vorwürfe machte, aber alles sah. „Diesmal nicht als Einzelkämpfer", sagte sie. „Nicht bei einem Feuer-Elementarwesen. Das hier ist etwas, das man nicht mit Schnelligkeit löst. Das löst man mit Geduld. Und Geduld funktioniert besser zu dritt."
James atmete aus. Er lehnte sich gegen den Türrahmen und verschränkte die Arme. „Schon gut", sagte er. „Wir gehen zusammen."
Er sagte es so, wie man eine Niederlage eingesteht, ruhig, ohne Theater. Robert entspannte die Schultern, und Mary lächelte ihm kurz zu, warm wie ein Sonnenfleck auf dem Küchenboden.
Was James nicht sagte, was er sorgfältig hinter seinem entspannten Gesicht verbarg, war das Folgende: Er würde früh aufstehen. Sehr früh. Noch vor den anderen. Nur schauen, sagte er sich, nur einen kurzen Blick. Er war schließlich schnell. Er kannte jeden Pfad.
Draußen vor dem Fenster ließ der Wind eine einzelne Ascheflocke durch den Spalt fallen. Sie trudelte langsam auf Roberts Aufzeichnungen herab und landete genau auf dem Satz, den die Desert Scholars vor Jahrhunderten geschrieben hatten: Wer dem Feuer entgegenläuft, hört es nicht mehr sprechen.