Kapitel 12

Was Sparky weiß

Was Sparky weiß – scene

Das Plateau lag im blassen Morgenlicht wie eine offene Hand. Die Felsen ringsum rochen noch nach Rauch und heißem Stein, aber der Wind, der vom Tal heraufkroch, trug auch die ersten kühlen Atemzüge des Tages. James saß mit zusammengezogenen Knien auf dem Boden, Sparky in den hohlen Händen, und wagte kaum zu atmen. Der kleine Phönixfunke glühte matt wie eine Kohle, die sich nicht entscheiden kann, ob sie noch brennen will.

Dann war plötzlich Ossian da.

Er kam nicht mit großen Schritten, er kam einfach, so wie er immer kam: ruhig, als hätte er die ganze Zeit gewusst, wo er hinmusste. Er setzte sich neben James, ohne ein Wort der Begrüßung, ohne Fragen. Er sah einen Moment lang auf Sparky hinab, dann auf seinen Bruder, und dann, ganz leise, sagte er: „Das Feuer wird nicht kleiner, weil du lauter bist als es. Es wird kleiner, wenn du ihm zuhörst."

James öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Er hatte so vieles gedacht in diesen letzten Stunden, so vieles gerufen und geschworen und bereut, aber auf diese Sätze fand er keine Antwort. Sie legten sich in ihn hinein wie ein schwerer, warmer Stein.

Mary kniete sich auf die andere Seite, ihr Haar fiel ihr ins Gesicht und sie strich es nicht zurück. Ihre Stimme war leise, fast beiläufig, aber jedes Wort saß. „Du warst immer mein mutigster Bruder, James. Das war nie gelogen." Sie machte eine kurze Pause. „Aber Mut ohne Geduld ist wie Feuer ohne Herd. Es verbrennt das Falsche."

James schluckte. Er konnte sie nicht ansehen, er sah auf seine Hände, auf das matte Glühen darin, und er dachte daran, dass Sparky niemals geklagt hatte, als er ihn immer wieder vorgeschickt hatte, als er ungeduldig gewartet hatte, als er nicht zugehört hatte, nicht wirklich.

Robert sagte nichts.

Das war bei Robert manchmal so: Er fand seine Antworten in den Händen, nicht im Mund. Er beugte sich vor und hob Sparky mit einer Vorsicht aus James' Handflächen, als würde er einen schlafenden Schmetterling halten. Dann schloss er die Augen. Zwischen seinen Fingern begann ein Licht zu wachsen, kein grelles Leuchten, sondern etwas Weiches, Goldenes, wie das erste Sonnenlicht auf einer weißen Wand. Ein Lichtzauber, klein und behutsam, gerade warm genug.

Sekunden vergingen.

Dann blinzelte Sparky.

Es war nur ein kleines Zucken, kaum mehr als das Aufflackern einer Kerze im Luftzug, aber es war da. Ein schwaches Zwitschern folgte, dünn wie ein Faden, aber es war Sparky, wirklich Sparky, und sein Licht wurde eine Spur heller. Robert hob ihn behutsam zurück in James' Hände und nickte einmal, ohne Worte.

James saß still.

Das war ungewöhnlich für ihn, das wussten alle drei. Normalerweise wäre jetzt schon der nächste Plan geboren worden, das nächste laute Vorhaben, die nächste Bewegung. Aber diesmal blieb er sitzen, eine lange, stille Minute, und tat das Schwerste, was er kannte: Er dachte nach, ohne zu handeln. Er ließ die Worte von Ossian und Mary in sich arbeiten wie Wasser in rissigem Stein, langsam, unaufhaltsam. Er dachte an das Elementarwesen da drinnen in der Höhle, so groß und so erschrocken. Er dachte, dass er selbst manchmal auch so war: groß von außen und erschrocken von innen, und laut, weil er nicht wusste, wie er um Hilfe bitten sollte.

Die Sonne schob sich über den Felskamm.

James blickte auf Sparky, der schwach, aber stetig in seinen Händen glühte. Dann hob er den Kopf, sah von einem Geschwister zum nächsten, und nickte.

Einmal. Fest.