Kapitel 11
Die Hand, die loslässt und die annimmt
Robert schloss die Augen für einen einzigen Moment. Er spürte das Seil in seinen Händen, fest und vertraut, und darunter die Stimmen von Mary und James, die wie ein warmes Licht durch den Wind heraufklangen. Dann atmete er tief durch, so tief, dass die Luft bis in die Fingerspitzen reichte, und begann den letzten Aufstieg.
Thorne flog unmittelbar neben ihm. Die goldenen Flügel rauschten gleichmäßig, und jedes Mal, wenn ein scharfer Stein unter Roberts Schuh wegzubrechen drohte, neigte Thorne einen Flügel und schirmte die Stelle ab, als wäre er ein lebendiges Schild aus Licht und Federn. Robert schaute nicht mehr hinunter. Er schaute zu Thorne, und Thorne schaute zurück, die bernsteinfarbenen Augen ruhig wie ein stiller See mitten im Sturm.
An der letzten Felsstufe versagten Roberts Arme fast. Der Fels war glatt vom Regen, und seine Finger fanden keinen Halt. Er streckte die freie Hand aus, ganz ohne nachzudenken, einfach aus.
Thorne neigte den goldenen Kopf.
Robert legte die Hand behutsam an den warmen Drachenhals und stützte sich ab. Ein einziger, kräftiger Zug, dann lagen seine Ellbogen auf dem Felsvorsprung, dann sein ganzer Oberkörper, dann stand er.
Er stand oben.
Der Sturm war nur noch ein leises Stöhnen, fast als würde er sich entschuldigen. Robert sah das rote Tuch sofort, eingeklemmt zwischen zwei Steinen wie ein kleines treues Herz. Er kniete sich hin und zog den Drachen-Drachen heraus. Das Tuch war nass und kalt, aber jede Naht hielt, jeder Knoten saß.
Robert drückte ihn an die Brust.
„Danke, Thorne", flüsterte er, und seine Stimme zitterte ein bisschen, aber nicht vor Angst. „Danke, dass du nicht gegangen bist."
Thorne legte den Kopf an Roberts Schulter.
Genau einen Herzschlag lang.
Das war genug. Das war mehr als genug.