Luca und Sparkwrench Agricultural
Luca rannte, so schnell seine Beine ihn trugen, durch den Silberwald von Landorya.
Otti, der kleine Otter, flitzte neben ihm her und ließ ein aufgeregtes Glucksen hören — denn die beiden verstanden sich immer, auch ganz ohne Worte, einfach Herz an Herz.
Überall leuchteten die Blätter in goldenen und violetten Farben, und der Boden war weich wie ein dicker Teppich aus Moos. Aber Luca hatte jetzt keine Zeit, stehen zu bleiben und zu staunen. Er hatte nämlich heute Morgen auf einer alten Karte etwas ganz Besonderes entdeckt: tief im Wald lag die Funkelbucht — ein Ort, von dem es hieß, dass das Wasser dort nachts wie tausend Sterne leuchtet. Und Luca wollte sie finden. Unbedingt.
"Wir müssen nur dem Silberbach folgen", murmelte er, während er einen dicken Baumwurzel übersprang.
Wolfi, der große Wolf mit dem flauschig-grauen Fell, lief auf der anderen Seite. Er schüttelte die Mähne, und ein aufgewühlter Windhauch zerzauste Lucas Haare — als würde er sagen: Beeil dich, Freund, die Nacht kommt!
Doch dann — plötzlich — stand Luca still.
Vor ihm lag ein riesiger Felssturz quer über den Weg. Mächtige Steine, so groß wie Häuser, türmten sich auf, und der Bach, dem er folgen wollte, verschwand irgendwo darunter. Die Karte hatte davon gar nichts erzählt.
Luca biss sich auf die Lippe. Er spürte, wie die Aufregung von vorhin sich in etwas Unsicheres verwandelte. Was jetzt? Von hier aus kannte er keinen Weg weiter.
Otti stupste ihn sanft ans Knie und schaute ihn mit seinen runden, glänzenden Augen an. Luca atmete einmal tief durch. Das kribbelnde, unsichere Gefühl war da — aber es war auch in Ordnung, es zu haben. Neue Orte bedeuteten eben manchmal neue Überraschungen, nicht nur schöne.
Da hörte er ein leises Hämmern.
Tack. Tack. Tack.
Hinter einem der großen Felsbrocken saß jemand. Es war eine kleine Gnome-Frau mit einer riesigen Schutzbrille auf der Nase und einem Gürtel voller seltsamer Werkzeuge. Ihre Haare standen in alle Richtungen ab, und an ihren Händen klebte überall roter Steinstaub.
"Ähm... hallo?", rief Luca.
Die kleine Frau schaute auf. Dann lachte sie — ein fröhliches, schepperndes Lachen wie ein Kessel, der überkocht.
"Ha! Ein Besucher! Ich heiße Funkelschrauber — und ich baue hier gerade eine Brücke! Oder... ich versuche es zumindest." Sie seufzte und zeigte auf ein Durcheinander aus Holzbalken, Rädern und kleinen Hebeln, das aussah wie ein Haufen Brennholz mit Zahnrädern drin.
Luca trat näher. "Soll das eine Maschine werden?"
"Eine Brücken-Falt-Maschine!", sagte Funkelschrauber stolz. "Ich habe sie dreimal gebaut. Dreimal ist sie weggefallen. Einmal sogar auf meinen Fuß." Sie zeigte auf einen verbundenen Zeh und zuckte die Schultern. "Aber ich baue sie ein viertes Mal. Weil auf der anderen Seite die Funkelbucht liegt — und die Leute dort brauchen einen Weg herüber, um Früchte zu tauschen. Und ich baue so lange, bis es klappt."
Luca kniete sich neben sie. Er sah die Maschine genauer an. Er sah, dass ein Zahnrad falsch herum eingesetzt war.
"Darf ich mal?", fragte er.
Funkelschrauber reichte ihm einen kleinen Schraubenschlüssel.
Luca drehte das Zahnrad um. Dann befestigte er noch einen Balken, der lose gewackelt hatte. Wolfi legte eine schwere Pfote auf den Sockel der Maschine, damit er nicht wegrutschen konnte — der Boden bebte kaum noch.
"Jetzt!", rief Luca.
Funkelschrauber zog an einem großen Hebel.
Ein Rattern. Ein Knarren. Dann — ein langes, lautes KLONK — und die Brücke entfaltete sich wie ein schlafender Vogel, der die Flügel ausbreitet. Balken für Balken legte sich über die Felsen, bis ein schmaler, aber fester Steg die beiden Ufer verband.
Funkelschrauber starrte. Dann quietschte sie so laut, dass die Vögel aus den Bäumen flogen.
"Es funktioniert! Es funktioniert tatsächlich!"
Luca grinste so breit, dass seine Wangen wehtaten. Er hatte es selbst kaum glauben können — aber seine Hände hatten es einfach gewusst. Manchmal wussten Hände Dinge, die der Kopf noch nicht kannte.
Sie gingen gemeinsam über die Brücke. Luca, Otti, Wolfi und Funkelschrauber.
Und dann — oh.
Die Funkelbucht.
Das Wasser war dunkel und ruhig wie ein schlafender Spiegel. Aber tief darin, ganz tief, leuchteten tausend kleine Punkte in blau und grün und silber. Als hätte jemand alle Sterne des Himmels einfach ins Wasser fallen lassen und sie hätten beschlossen, dort zu bleiben.
Luca saß am Ufer und schaute lange hinein. Otti lehnte sich an seine Seite, warm und vertraut. Wolfi legte den Kopf auf Lucas Schulter, und sein Fell roch nach Wald und Abend.
"Hast du gewusst, dass es so schön ist?", flüsterte Luca.
Funkelschrauber schüttelte den Kopf. "Ich habe es mir vorgestellt. Aber vorgestellt und gesehen sind zwei verschiedene Dinge." Sie zwinkerte. "Deshalb lohnt es sich, hinzugehen."
Luca nickte langsam. Er dachte an das kribbelnde Gefühl von vorhin, als er nicht wusste, wie es weitergeht. Und er merkte: Dieses Kribbeln gehört dazu. Es ist der erste Schritt zu etwas, das man noch nicht kennt.
Auf dem Rückweg durch den Silberwald sang Funkelschrauber ein schiepes Gnome-Lied, das sich reimte wie ein Schuh auf Knie — also gar nicht. Otti versuchte mitzusingen und klang dabei wie ein quietschender Türknauf.
Wolfi warf ihnen einen langen, würdevollen Blick zu.
Dann heulte er ebenfalls mit.
Luca lachte, bis er kaum noch laufen konnte.
Als die ersten Lichter von Landorya in der Ferne aufleuchteten, war er noch voller Bilder — das leuchtende Wasser, die klappernde Brücke, Funkelschraubers staubige Hände.
Er schloss die Augen.
Neue Orte warten immer auf dich.
Sie leuchten schon, noch bevor du ankommst.
Gute Nacht, tapferer Entdecker.
Träum von allem, was du noch nicht weißt — es wird wunderschön sein.
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