Chapter 13
Der Plan, den alle tragen
Der Morgen hatte sich inzwischen in einen hellen, ruhigen Spätvormittag verwandelt. Die Sonne stand schräg über dem Felsplateau, und ihr Licht fiel in breiten Streifen über den Stein, als wolle sie die Gruppe wärmen, die sich dort in einem lockeren Halbkreis zusammengefunden hatte. James saß in der Mitte, die Knie angezogen, die Hände locker im Schoß. Neben ihm glühte Sparky leise vor sich hin, ein kleines orangefarbenes Pulsieren, das anzeigte: Ich bin noch da. Ich bin bereit.
Und diesmal fing James nicht damit an, etwas zu sagen. Er fing damit an, zu fragen.
Er schaute Mary an. Wirklich anschaute er sie, nicht so, wie man jemanden ansieht, während man darauf wartet, selbst wieder zu reden. „Was weißt du über Pyrakianische Besänftigungsrituale?", fragte er. „Ich meine wirklich. Alles, was du weißt."
Mary blinzelte kurz, als überrasche es sie noch immer, von ihm gefragt zu werden statt belehrt. Dann lächelte sie und rückte ein Stück näher. Sie erklärte, dass man einem Feuer-Elementar niemals mit mehr Lärm oder mehr Druck begegnen dürfe. Das erste, was man tun müsse, sei, ihm sein Nest zurückzugeben, den Ort, den es als seinen empfinde, unberührt und geachtet. Das zweite sei noch schwieriger: Man müsse in seiner Sprache zuhören. Nicht in Worten. Feuer-Elementare kennen keine Worte. Sie kennen Licht und Wärme, die Art, wie eine Flamme aufsteigt oder sich zusammenzieht, ob sie tanzt oder zittert. „Du kannst ihm nicht sagen, dass du friedlich bist", sagte Mary. „Du musst es leuchten."
James nickte langsam. Er rollte diesen Gedanken in sich um wie einen glatten Stein in der Hand.
Dann sah er Robert an. „Wie bewegen wir den Blockierfelsen, ohne den Berg zu erschüttern?" Robert hatte bereits ein kleines Stück flachen Schiefer in der Hand und begann zu skizzieren, während er sprach: ein Hebelsystem aus Felsspreizen, das die Last gleichmäßig verteilen würde, keine ruckartigen Bewegungen, kein Schlagen, kein Reißen. Man müsse den Stein gewissermaßen bitten, seinen Platz zu verlassen. James beugte sich vor und studierte die Zeichnung. Er fragte zweimal nach, einmal nach dem Winkel der äußeren Spreize, einmal danach, wo man sicher stehen könnte. Robert antwortete geduldig, und James hörte zu, wirklich zu, ohne die Sätze schon zu überholen.
Bruder Ossian hatte die ganze Zeit ruhig dabeigesessen, die Hände im weiten Ärmel seines Gewandes vergraben. Jetzt holte er langsam einen kleinen Beutel hervor und öffnete ihn mit bedächtigen Fingern. Darin lag ein Steinfragment, nicht größer als ein Daumenglied, von einer matten, dunkelroten Farbe, durchzogen von goldenen Linien wie erstarrte Blitze. „Ein Pyrakian-Glyphenstein", sagte Ossian leise. „Ein Fragment eines sehr alten. Er beruhigt Feuer-Elementare, so wie ein bekannter Duft einen unruhigen Schläfer beruhigt." Er legte ihn in James' offene Hand. Der Stein war überraschend warm.
James schloss die Finger darum und spürte das sanfte Vibrieren darin, kaum mehr als ein Murmeln, aber beständig und freundlich.
Er saß eine Weile so, den Stein in der Faust, Roberts Skizze auf dem Knie, Marys Worte noch im Ohr. Das Plateau war still, nur der Wind strich leise über den Stein, und Sparky atmete in seinem kleinen Glühen ruhig neben ihm.
Dann schaute James ihn an. Dieses kleine Wesen, das ihm mehr als einmal den Weg gezeigt hatte, ohne ein einziges Wort zu sagen. Er sagte leise, so leise, dass es fast nur für Sparky war: „Du gehst diesmal nicht allein rein. Ich bin bei dir."
Sparky hob den Kopf. Und dann leuchtete er auf, ein sattes, warmes Orange-Rot, das kurz so hell wurde, dass es die Schatten auf dem Fels zurückwarf. Kein Funke, kein Knistern. Nur Licht.
James stand auf und steckte den Glyphenstein sorgfältig in seine Jackentasche. „Gut", sagte er. „Dann wissen wir jetzt, was zu tun ist."