Chapter 4
Sparky fällt vom Himmel
Der Pfad schlängelte sich wie ein alter Fluss aus dem Tal heraus, und der Morgen roch nach warmem Gras und trockenem Stein. James ging mit federnden Schritten voran, den Rucksack locker auf den Schultern, und die Celestial Mountains wuchsen mit jedem Schritt ein bisschen größer vor ihm auf. Ihre Gipfel leuchteten im frühen Mittagslicht wie aufgestellte Zähne aus rotem Basalt, und James liebte genau diesen Anblick – das Versprechen, das darin steckte.
Hinter ihm trottete Robert gemächlich und trug die gerollten Pyrakian-Karten unter dem Arm. Mary summte leise vor sich hin, wie sie es immer tat, wenn sie nachdachte.
Dann hörte James ein Geräusch.
Es klang nicht wie ein Vogel und nicht wie der Wind. Es klang wie jemand, der gleichzeitig zwitscherte, knisterte und kicherte – drei Dinge auf einmal, und trotzdem irgendwie melodisch. Und dann, bevor er auch nur den Kopf drehen konnte, spürte er etwas Warmes auf seinem Rucksack landen. Nicht schwer, kaum so schwer wie eine Handvoll Federn. Aber warm. Wohlig warm, wie eine Tasse Kakao von innen.
James drehte sich langsam um, und da saß es.
Ein kleines Wesen, kaum so groß wie seine Faust, und es glühte. Orange und rot wechselten sich in seinen Flügelchen ab wie Farben in einer ruhigen Flamme, und seine Augen – rund, groß, tiefgolden – sahen James direkt an. Die Flügel bestanden nicht wirklich aus Federn, sondern aus lebendigem Licht, das sich beim Atmen des Tieres sachte hob und senkte. Es sah aus wie ein winziger Phönix, der gerade beschlossen hatte, dass James' Rucksack der beste Platz der Welt sei.
Das Wesen zwitscherte aufgeregt, reckte sein kleines Schnäbelchen bergwärts und tippelte dabei aufgeregt auf der Stelle. Bergauf, bergauf, bergauf schien jede seiner Bewegungen zu sagen. Dann hielt es plötzlich inne. Die Flügelchen senkten sich, der Kopf legte sich leicht schief, und es schaute James mit einem Blick an, der seltsam ernst war für etwas so Kleines. Ein Blick, der eindeutig bedeutete: Aber langsam.
James lachte, laut und herzlich, und der Klang hallte zwischen den Felsen.
„Du heißt Sparky", sagte er, und es war keine Frage. „Das ist einfach so."
Sparky zwitscherte, als wäre er vollkommen einverstanden.
Mary trat neben James und betrachtete das leuchtende Wesen mit einem lächelnden, aufmerksamen Gesicht. „Er kommt aus der Richtung des Glodens", sagte sie ruhig und zeigte mit einem Finger in den dunstigen Bereich zwischen den mittleren Berghängen, wo die Luft leicht flimmerte. „Wenn ein Feuerwesen so einen Weg auf sich nimmt, dann weiß es meistens etwas, das es einem sagen will."
Robert nickte und kaute kurz auf seiner Unterlippe, so wie immer, wenn ihm etwas wichtig war. „Kleine Feuerwesen wie er leben in Symbiose mit den Elementaren. Sie spüren, was tief im Berg vorgeht, lang bevor ein Mensch auch nur Rauch riecht."
James hörte das. Er hörte es wirklich. Aber seine Beine hörten auch etwas, und das war der Pfad, der sich vor ihm aufwand und rief und einlud.
Der Steinbogen stand keine fünfzig Schritte entfernt. Er war aus grauem und rotem Gestein gefügt, uralt und breit wie zwei Männer nebeneinander, und sein Scheitel war mit getrockneten Kräutern behängt, die jemand vor langer Zeit dort befestigt hatte. Er markierte die Schwelle zu den Celestial Mountains, das wusste jedes Kind in Greenvale.
James trat als Erster hindurch.
Die Luft dahinter war eine Spur kühler und roch nach Mineralien und einer Tiefe, die man eher ahnte als sah. Sparky auf seinem Rucksack zwitscherte einmal kurz, dann war er still.
Und James spürte, obwohl er das niemandem gesagt hätte, wie sein Herz einen Schlag schneller schlug – nicht aus Angst, sondern aus dem Gefühl, dass das hier nun wirklich begann.