Chapter 1

Der große Bruder von Greenvale

Der große Bruder von Greenvale – scene

Der Wind kam in großen, weichen Schüben über den Hügel hinter Greenvale, bog das lange Gras zur Seite und zerrte an Roberts Jacke, als wolle er ihn irgendwohin mitnehmen. Robert ließ es nicht zu. Er stand breitbeinig, die Schnur des Drachens fest in beiden Händen, und schaute hinunter auf seine Geschwister.

James lief mit ausgestreckten Armen über die Wiese, sein rotes Hemd leuchtete wie eine Mohnblume. Der Drachen oben am Himmel war ein bunter Lindwurm aus Papier und Stäbchen, den Robert selbst gebaut hatte, und er zog und zerrte an der Schnur, als wäre er lebendig. James hatte die Hände schon mehrmals nach der Leine ausgestreckt, aber Robert hielt sie fest. Nur für alle Fälle.

Mary saß ein Stück entfernt im Gras und flocht Gänseblümchen zu einer Kette. Sie schaute auf, blinzelte gegen die Abendsonne und rief: „Robert! Komm doch spielen!"

Robert schüttelte den Kopf. „Jemand muss ja aufpassen", rief er zurück, und seine Stimme klang fester, als er sich fühlte.

Mary zuckte mit den Schultern und lachte, weil sie noch zu jung war, um die Stille dahinter zu hören.

Später, als die Sonne sich hinter den Kiefern versteckte und die drei Kinder ins Haus trotteten, fand Robert Marys Schleudertasche auf dem Küchentisch. Das Leder war an einer Naht aufgeplatzt. Er holte Nadel und Faden und flickte sie, sorgfältig und gerade, ohne Mary zu fragen.

Thorne saß auf der Fensterbank und sah ihm dabei zu.

Der Greif war fast so groß wie ein Schäferhund, seine Federn goldbraun wie Herbstlaub, und er hatte die Angewohnheit, den Kopf schief zu legen, wenn ihm etwas nicht gefiel. Jetzt legte er ihn schief. Und er behielt ihn so.

Robert nähte. Thorne schaute. Die Küche war warm und still.

Irgendwann spürte Robert den Blick wie ein leises Tippen auf der Schulter. Er schaute auf, traf Thornes bernsteinfarbene Augen, und schaute wieder weg.

Draußen sang der Wind um die Dachkante, und die Gänseblümchenkette lag vergessen auf der Fensterbank, direkt neben dem Greif, der immer noch wartete.