Chapter 3

Ich hole ihn — allein

Ich hole ihn — allein – scene

Die Sturmklippen standen am Horizont wie ein Rätsel, das niemand aufmachen durfte. Robert sah sie durch das hohe Eingangsfenster, noch bevor er seine Stiefel angezogen hatte: dunkelgrau und zackig, mit Wolkenfetzen um die Spitzen wie zerzaustes Haar. Irgendwo dort draußen hing der rote Drachen mit den goldenen Flügelspitzen. Irgendwo dort wartete James darauf, dass sein großer Bruder das Richtige tat.

Das Haus schlief noch. Durch die Decke hörte Robert das leise Atmen von Mama, das sanfte Knarzen von Papas Seite des Bettes. Die Uhr über dem Haken zeigte kurz nach halb sechs. Draußen war der Himmel grau wie nasses Leinen.

Einen Herzschlag lang, vielleicht auch zwei, dachte er daran, die Treppe hochzugehen und an die Schlafzimmertür zu klopfen. Er sah es schon vor sich: Papas verschlafenes Gesicht, Mamas Augen, die sofort alles verstehen würden.

Dann schüttelte er den Kopf.

Er war neun. Er war der große Bruder. Das war doch keine große Sache, er würde den Drachen holen, und wenn James aufwachte, würde alles gut sein. Kein Aufhebens, kein Erklären. Einfach so.

Er schrieb keine Nachricht. Er weckte niemanden auf. Er schnürte leise seine Stiefel zu, Schlaufe für Schlaufe, und der Knoten saß so fest, wie er konnte.

Da war Thorne.

Der alte Hund stand in der Eingangshalle und trippelte unruhig vor der Tür hin und her, die schwere Schnauze gesenkt, die braunen Augen groß und fragend. Er schnaubte einmal, leise, fast wie ein Flüstern.

Robert kniete sich vor ihn hin und legte kurz die Stirn an Thornes weiches Fell. Der Hund roch nach Heu und warmem Morgen.

„Bleib hier", flüsterte Robert. „Pass auf die anderen auf."

Dann drückte er die Tür auf, und der kühle Morgenwind trat ihm entgegen wie eine Frage, auf die er noch keine Antwort hatte.