Luca und Sylphira The Gardener

Der Kristallturm ragte wie ein glänzender Finger in den Himmel von Landorya, und Luca kletterte seine spiralförmigen Stufen hinauf, so schnell seine Beine ihn trugen. An seiner Seite schwang sein Holzschwert mit der silbernen Klinge, die im Licht der drei Monde funkelte. Sein Cape flatterte hinter ihm her wie ein Banner im Wind. „Du bist ganz schön aufgeregt heute", brummte eine tiefe, warme Stimme in seinem Kopf. Klipp, der große sanfte Gorilla, folgte ihm mit schweren, aber leisen Schritten. Seine riesigen Hände berührten die Wände des Turms und ließen sie leicht erzittern. „Ich will ein echter Held sein, Klipp!", keuchte Luca und nahm zwei Stufen auf einmal. „Ein Schwertkämpfer, der Prinzessinnen rettet und gegen Bösewichte kämpft!" „Mmm", machte Klipp nachdenklich. „Du fühlst dich, als müsstest du jemandem beweisen, wie stark du bist." Luca hielt inne und schaute zu seinem großen Freund hinauf. Klipps dunkle Augen waren voller Verständnis. „Vielleicht ein bisschen", gab Luca zu. „Ich will zeigen, dass ich wichtig bin." Oben auf dem Turm angekommen, blieb Luca stehen und schaute über die weite Landschaft von Landorya. Kristallbäume glitzerten im Mondlicht wie Diamanten, und in der Ferne sah er etwas Seltsames: einen kleinen Garten, der von dunklen Schatten umgeben war. Mitten darin stand eine zierliche Drachin mit grünen Schuppen, die wie Blätter schimmerten. „Da ist jemand in Schwierigkeiten!", rief Luca und deutete mit seinem Schwert in die Richtung. Die Drachin – ihr Name war Silbertau, wie er später erfahren sollte – stand inmitten ihres geliebten Heilgartens und weinte leise. Dunkle, klebrige Ranken hatten sich um ihre schönsten Pflanzen geschlungen und erstickten sie langsam. Die Blumen hingen ihre Köpfe, und die Heilkräuter welkten vor ihren Augen. „Meine Pflanzen", flüsterte sie, als Luca und Klipp näher kamen. „Sie waren alles, was ich hatte. Ich bin doch nur eine kleine Drachin. Ich kann nicht kämpfen wie die großen Krieger. Ich kann nur Dinge wachsen lassen." Luca zog sein Schwert und stellte sich vor die dunklen Ranken. „Keine Sorge! Ich bin ein Schwertkämpfer! Ich schneide diese bösen Dinger weg!" Er schlug mit seinem Schwert auf die Ranken ein, aber sie waren zäh wie Gummi. Seine Klinge prallte ab, und die Ranken wuchsen nur noch schneller. Eine von ihnen schnappte nach seinem Cape und zerrte daran. „Das funktioniert nicht", brummte Klipp sanft. „Manchmal ist die stärkste Waffe nicht das Schwert." Frustriert ließ Luca seine Arme sinken. „Aber ich wollte doch ein Held sein! Wie die in den Geschichten!" Silbertau schaute zu ihm hinüber, ihre grünen Augen voller Tränen. „Du bist schon gekommen, um mir zu helfen. Das ist mehr, als irgendjemand sonst getan hat." In diesem Moment bemerkte Luca etwas Wichtiges. Die Drachin hatte kleine, zarte Hände – genau wie er. Und in diesen Händen hielt sie einen winzigen Samen, der schwach golden leuchtete. „Was ist das?", fragte er und zeigte auf den Samen. „Ein Lichtsamen", sagte Silbertau traurig. „Aber er ist so klein. Ich dachte immer, ich bräuchte große Magie, um ihn zum Keimen zu bringen." Luca schaute auf seine eigenen Hände. Sie waren nicht groß und stark wie die von erwachsenen Kriegern. Aber sie waren geschickt und sanft. Eine Idee begann in seinem Kopf zu wachsen. „Darf ich mal?", fragte er. Silbertau reichte ihm vorsichtig den Samen. Luca hielt ihn in seinen Handflächen und schloss die Augen. Er dachte nicht an Kämpfen oder Heldentaten. Stattdessen dachte er an warmes Sonnenlicht und sanften Regen, an das Gefühl, wenn eine Blume zum ersten Mal ihre Blütenblätter öffnet. Der Samen begann zu glühen. Erst schwach, dann immer heller, bis goldenes Licht zwischen Lucas Fingern hindurchschien. „Leg ihn in die Erde", flüsterte Klipp. „Genau dort, wo die Ranken am dicksten sind." Luca kniete sich hin und drückte den Samen behutsam in den Boden. Einen Augenblick lang passierte nichts. Dann brach ein goldener Sprössling durch die Erde, und überall, wo sein Licht hinreichte, begannen die dunklen Ranken zu schrumpfen und zu verschwinden. Der winzige Sprössling wuchs und wuchs, wurde zu einem Baum mit goldenen Blättern, die wie kleine Sonnen leuchteten. Die dunklen Schatten flohen vor seinem Licht, und Silbertaus Garten begann wieder zu blühen. „Du hast es geschafft!", rief Silbertau und ihre Augen strahlten vor Freude. „Aber wie? Du hast doch gar nicht gekämpft!" Luca schaute auf seine Hände, die noch warm vom goldenen Licht waren. Sie fühlten sich plötzlich gar nicht mehr so klein an. „Ich glaube, ich habe dir mit dem geholfen, was ich kann. Nicht mit dem Schwert, sondern mit... mir." Silbertau kam näher und berührte sanft seine Schulter mit ihrer Drachenpfote. „Du bist ein echter Held. Nicht weil du kämpfst, sondern weil du da warst, als jemand dich brauchte." Klipp legte seine große, warme Hand auf Lucas Kopf. „Siehst du? Du warst die ganze Zeit wichtig. Nicht weil du stark tust, sondern weil du du bist." Während sie den Garten verließen, der nun wieder in voller Blüte stand, hörten sie Silbertaus fröhliches Summen. Sie pflanzte neue Samen, und jeder von ihnen begann sofort zu keimen. „Das war ein komisches Abenteuer", sagte Luca und grinste. „Ich dachte, ich würde mit dem Schwert kämpfen." „Manchmal sind die besten Abenteuer ganz anders, als wir sie uns vorstellen", brummte Klipp weise. Als sie den Kristallturm wieder hinuntergingen, entdeckte Luca etwas Lustiges: Sein Holzschwert war verschwunden, aber stattdessen hatte er einen kleinen goldenen Zweig in der Hand, der sanft leuchtete. „Klipp", kicherte er, „ich glaube, ich bin jetzt ein Gärtner-Ritter!" Der große Gorilla lachte so tief und warm, dass der ganze Turm davon widerhallte. „Das ist die beste Art von Ritter, die ich kenne." Unten angekommen, schaute Luca noch einmal zum Garten hinüber. In der Ferne sah er Silbertau tanzen zwischen ihren blühenden Pflanzen, und das goldene Licht des kleinen Baumes, den er gepflanzt hatte, leuchtete wie ein Stern. „Ich bin müde", gähnte Luca und kuschelte sich an Klipps warmes Fell. „Das ist gut", murmelte Klipp sanft. „Helden brauchen ihren Schlaf." Als sie durch das Mondlicht nach Hause wanderten, spürte Luca ein warmes Gefühl in seiner Brust. Er hatte heute gelernt, dass er nicht stark tun musste, um wichtig zu sein. Er war bereits wichtig, genau so, wie er war. Gute Nacht, kleiner Held. Möge dein Herz immer so warm leuchten wie der goldene Baum. Und mögen deine Träume voller wachsender Wunder sein.

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