Mira und Sparkwell Illuminator

Der Abend in Landorya begann mit einem Leuchten. Mira rannte den Sternenweg entlang, und Pip huschte dicht neben ihr — ein kleines weißes Wölkchen auf vier Pfoten, das immer gerade dort war, wo sie ihn brauchte. Die beiden verstanden sich, ohne auch nur ein einziges Wort zu brauchen; was das eine fühlte, spürte das andere einfach, so wie man Wärme spürt, wenn man die Hand ans Feuer hält. "Da!", rief Mira und blieb abrupt stehen. Vor ihr lag das Sternenmoor — ein weites, dunkles Feld, das sich bis zum Horizont erstreckte. Normalerweise leuchteten hier hunderte kleine Sternblumen, winzige goldene Lichter, die sich nachts öffneten und das Moor in ein sanftes Glitzern tauchten. Aber heute Abend war alles dunkel. Kein einziges Licht. Nur tiefe, stille Schwärze. Und mittendrin — ein leises Schluchzen. Mira kniff die Augen zusammen. Zwischen den leblosen Sternblumen saß eine kleine Gestalt, kaum größer als Mira selbst, mit langen silbrigen Haaren und einem Mantel, der aussah wie der Nachthimmel — dunkelblau, mit winzigen Fäden aus echtem Mondlicht durchwirkt. Die Gestalt hielt eine erloschene Laterne in den Händen und sah sie traurig an. "Bist du... in Ordnung?", fragte Mira vorsichtig. Die Gestalt hob den Kopf. Ihre Augen waren wie zwei kleine Monde — rund und hell, auch wenn der Rest ihres Gesichts ganz traurig war. "Ich bin Funkelchen", sagte sie leise. "Ich bin die Laternenträgerin des Sternenmoores. Jede Nacht entzünde ich die Sternblumen, eine nach der anderen, damit alle, die sich verirrt haben, den Weg nach Hause finden." Sie hob die erloschene Laterne hoch. Das Glas war trüb, die Flamme darin längst erloschen. "Aber heute... heute ist mein Licht ausgegangen. Und ich weiß nicht, wie ich es wieder zum Leuchten bringe. Ohne mein Licht bleiben die Sternblumen dunkel. Und alle, die jetzt draußen sind und den Weg nach Hause suchen..." Sie schluckte. "Die finden ihn nicht." Mira schaute auf das dunkle Moor. Das war weit. Das war sehr dunkel. Und irgendwo da drin musste sie hingehen, wenn sie helfen wollte. Pip drückte sich sanft an ihre Seite, warm wie eine kleine Sonnenwolke. Mira spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog — eine Art kribbelndes Flattern, das halb Aufregung und halb Angst war. Aber Pip blieb einfach da, ruhig und weich, und irgendwie wurde das Flattern ein bisschen kleiner. "Was braucht die Laterne?", fragte Mira. Funkelchen sah sie mit großen Augen an. "Der Kern der Laterne — das ist ein Sternkorn. Ein winzig kleines Ding, das leuchtet, wenn man es ganz fest hält und sich an etwas Warmes erinnert. Aber meins ist..." Sie öffnete die Laterne und zeigte hinein. Tatsächlich: da lag ein kleines, graues, rundes Korn. Ganz stumpf. Ganz kalt. "Das Sternkorn leuchtet nur, wenn jemand es das erste Mal in die Hand nimmt und ihm sein Herzwärme schenkt", sagte Funkelchen. "Ich... ich kann das nicht mehr. Ich habe es so oft gehalten, dass meine Hände schon vergessen haben, wie sich Herzwärme anfühlt. Ich brauche jemanden, der es zum ersten Mal hält." Sie sah Mira an. Mira schluckte. Das Sternkorn sah klein aus. Und grau. Und irgendwie ein bisschen unheimlich, so allein in der großen erloschenen Laterne. "Was, wenn es bei mir auch nicht funktioniert?", fragte Mira. Funkelchen schaute sie lange an. "Dann versuchen wir es gemeinsam." Mira streckte die Hand aus. Das Sternkorn war kalt, als Funkelchen es ihr in die Handfläche legte — kalt wie ein Stein, der lange im Schatten gelegen hatte. Mira schloss die Finger darum. Was war warm? Sie dachte nach. Das Gefühl, wenn jemand abends die Decke über sie zieht und sie ganz fest einhüllt. Das Licht, das unter der Tür durchscheint, wenn man nicht schlafen kann und weiß — da draußen ist jemand. Das Geräusch, das ein Zuhause macht, wenn alle drin sind: gedämpfte Stimmen, warme Töne, das leise Summen von irgendwo. Die Hand wurde wärmer. Dann — ein Glimmen. Mira öffnete die Finger einen Spalt. Das Sternkorn leuchtete. Erst ganz schwach, zitternd, wie eine Kerze im Wind. Dann fester. Dann heller. Ein goldenes, weiches Licht, das durch ihre Finger sickerte und auf Funkelchens Gesicht fiel. Funkelchens Augen wurden groß. "Es funktioniert", flüsterte sie. Mira legte das Sternkorn behutsam zurück in die Laterne. Funkelchen schloss das Glas. Und dann — dann passierte etwas Wunderbares. Die erste Sternblume leuchtete auf. Direkt vor ihren Füßen, ein kleines goldenes Aufflackern. Dann die nächste. Und die nächste. Wie ein Feuer, das sich ausbreitet, nur ohne Rauch und ohne Hitze — nur mit Licht. Stille, weiche, goldene Lichter, die sich über das ganze Moor ausbreiteten, eine Blume nach der anderen, bis das Sternenmoor wieder glitzerte wie ein umgekehrter Sternenhimmel. Funkelchen hielt die Laterne hoch. Ihr Gesicht strahlte. "Jetzt finden sie alle nach Hause", sagte sie leise. Und dann, ganz leise, noch einmal: "Danke." Mira schaute auf ihre Hände. Die fühlten sich noch warm an. Pip stupste sie mit der Nase an — einmal, zweimal — und machte dabei ein Geräusch, das ungefähr so klang wie: Na, war doch nicht so schlimm, oder? Mira lachte. Auf dem Rückweg leuchtete das Moor hinter ihnen, und die Sternblumen schaukelten sanft im Nachtwind, als würden sie winken. Funkelchen rief ihnen nach: "Falls ihr je den Weg nicht findet — folgt einfach dem Licht!" "Das machen wir!", rief Mira zurück. Und dann, gerade als sie sich umdrehte, stolperte Pip über eine besonders dicke Sternblume, überschlug sich einmal und landete mit einem leisen Wumps auf dem Rücken, alle vier Pfoten in der Luft, umgeben von aufgewirbelten Lichttupfern. Er sah aus wie eine kleine, sehr verwirrte Wolke. Mira lachte so laut, dass die Sternblumen um sie herum kurz aufflackerten — als würden auch sie lachen. Pip richtete sich würdevoll auf und tat so, als wäre nichts gewesen. Aber sein Schwanz wedelte. Und so kamen die beiden heim, mit warmen Händen und einem Lachen noch auf den Lippen. Der Abend legte sich wie eine weiche Decke über Landorya. Und irgendwo im Moor leuchteten die Sternblumen. Für alle, die den Weg nach Hause suchen. Und für alle, die schon da sind. Gute Nacht, kleine Heldin. Dein Licht war heute wirklich groß.

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