Luca und Magma The Forge Priest

Luca und Otti und Wolfi liefen schon eine ganze Weile durch den Silberbirkenwald von Landorya, als Otti plötzlich anhielt und die Nase hochreckte. Irgendwo da vorne roch es nach warmem Holz und heißem Tee. "Riechst du das auch?", fragte Luca und schaute sich um. Die Bäume hier standen dicht, ihre weißen Stämme leuchteten im Abendlicht wie kleine Kerzen. Wolfi trottete dicht neben ihm, und Luca spürte, wie ein ruhiges, sicheres Gefühl von Wolfis warmer Seite auf ihn übersprang — so, wie wenn man eine wollweiche Decke um die Schultern gelegt bekommt. Die beiden mussten sich dafür keine Worte sagen. Das war einfach so zwischen ihnen. Luca hatte heute Abend ein komisches Kribbeln in sich. Nicht das aufgeregte, sondern das andere. Das, das ein bisschen zwickt, irgendwo in der Mitte der Brust. Er konnte nicht genau sagen, warum. Aber Otti hatte es sofort gespürt und sich einfach an seine Seite gedrängt, weich und warm wie ein kleiner Wasserstein, der lange in der Sonne gelegen hat. Dann sahen sie das Licht. Zwischen zwei uralten Birken stand eine kleine Werkstatt, so niedrig, dass man den Kopf einziehen musste. Aus dem Schornstein kräuselte sich blauer Rauch, und an der Tür hing ein Schild aus rostigen Nägeln: "Magma — Heiliger Schmied. Klopfen erlaubt." Luca klopfte. "Herein, herein!", rief eine Stimme, die ein bisschen klang wie knisterndes Feuer. Drinnen war es warm und funkelnd. Überall standen kleine Dinge aus Metall: eine silberne Schale, die von selbst summte, ein winziger Drachen aus Kupfer, der langsam mit dem Schwanz wedelte, und Hunderte von Werkzeugen, ordentlich aufgehängt wie Sterne am Himmel. Mitten im Raum stand ein großer, runder Drache — nicht beängstigend groß, eher so groß wie ein sehr dicker, sehr gemütlicher Bär. Seine Schuppen waren dunkelrot wie glühende Kohle, und seine Augen leuchteten golden. Das war Magma, den alle hier Glutstein nannten. Glutstein hielt gerade etwas in seinen schwieligen Händen. Er drehte es um und um, runzelte die Stirn, legte es auf den Tisch, schaute es noch einmal an — und seufzte dann so tief, dass die Flämmchen auf den Kerzen kurz zitterten. "Hallo", sagte Luca. "Was ist das?" "Das", sagte Glutstein und schob das Ding über den Tisch, "ist mein schwierigster Tag seit einer Woche." Es war ein kleines Herz aus Metall. Nicht ganz rund, mit einer Delle an der Seite und einem kleinen Kratzer oben drauf. Aber es schimmerte trotzdem wunderschön — rosagold, wie der Himmel kurz bevor die Sonne ganz untergeht. "Es ist doch schön", sagte Luca. "Ich weiß." Glutstein setzte sich auf seinen Hocker, der unter seinem Gewicht knarzte. "Aber ich habe es heute dreimal fallen lassen. Einmal in die Glut, einmal auf den Steinboden, einmal vom Tisch. Siehst du die Delle? Die Delle war ich. Siehst du den Kratzer? Auch ich." Luca setzte sich auf den kleinen Schemel gegenüber. Otti rollte sich zwischen seinen Füßen zusammen, und Wolfi legte den Kopf auf Lucas Knie. "Tut das weh?", fragte Luca. Glutstein schaute ihn an, und in seinen goldenen Augen blitzte etwas auf — Überraschung vielleicht, oder Erleichterung. "Ja. Nicht so wie ein Kratzer auf der Haut. Aber so wie... wenn man etwas wirklich gut machen möchte, und dann klappt es trotzdem nicht, und dann nochmal nicht." Luca nickte langsam. Das kannte er. "Darf ich es anfassen?", fragte er. Glutstein schob das kleine Herz zu ihm herüber. Luca nahm es vorsichtig in beide Hände. Es war noch warm von Glutsteins Händen, und es war leichter als erwartet. Er drehte es um. Die Delle war da, ja. Und der Kratzer. Aber wenn man es im Licht hielt — dann sah man auch das Muster, das Glutstein hineingearbeitet hatte: kleine Wellen, wie Wasser, wie Atem, wie schlafen. "Es ist das schönste Ding hier drin", sagte Luca ehrlich. Glutstein schwieg eine Weile. Dann sagte er leise: "Weißt du, was mein Meister mir früher gesagt hat? Nicht mit Worten — der hat nie viel geredet. Aber er hat mir einmal ein altes, altes Schwert gezeigt. Viele Dellen, viele Kratzer. Und er hat es einfach in die Luft gehalten, damit ich sehe, wie es glänzt." Luca hielt das kleine Herz in die Luft. Es glänzte. Es glänzte mit der Delle und mit dem Kratzer und mit allem zusammen. Wolfi hob den Kopf und sah es auch. Otti quietschte kurz — nicht laut, nur so, wie wenn man zufrieden aufseufzt. "Ich glaube", sagte Luca nach einer Weile, "das Herz ist deshalb so schön, weil du so viel damit gemacht hast heute. Auch wenn es wehtut." Glutstein schaute ihn lange an. Dann lachte er — ein tiefes, prasselndes Lachen wie ein Kaminfeuer. "Du bist ein kluges Kind, Luca. Und du hast heute bestimmt auch ein paar Dellen abgekriegt, oder?" Luca musste lächeln. Ein bisschen. "Vielleicht", sagte er. "Dann bist du heute auch ein bisschen rosagolden geworden." Luca legte das Herz zurück auf den Tisch. Ganz vorsichtig. Glutstein wischte sich die Hände an der Schürze ab und stand auf. "Ich muss jetzt weiterschmieden. Aber du kannst das Herz noch einen Moment festhalten, wenn du möchtest." Also hielt Luca es noch einen Moment. Es war warm. Es hatte Dellen. Es glänzte trotzdem — oder vielleicht genau deshalb. Dann legten sie los, zurück durch den Silberbirkenwald. Die Birken leuchteten jetzt weiß wie Mondlicht, und zwischen den Ästen blinzelten die ersten Sterne. Wolfi ging neben Luca, groß und ruhig. Otti hüpfte drei Schritte vor, zwei zurück, drei vor — und blieb dann plötzlich stehen und schnupperte in die Luft. "Was ist?", fragte Luca. Otti drehte sich um und schaute ihn an, mit diesem Blick, der sagte: Alles gut. Ich bin hier. Und dann — kein Witz — fiel Otti über seine eigenen Pfoten und kullerte einen kleinen Hügel hinunter. "Otti!", rief Luca und lachte laut auf, so richtig, so tief aus dem Bauch. Otti saß unten am Hügel, Grashalme im Fell, und schaute herauf mit einem Gesicht, als wäre das so gewollt gewesen. Wolfi schüttelte den Kopf. Sehr würdevoll. Luca lachte noch immer, als die Bäume sich öffneten und das warme Licht von Landoryas Abendtor durch die Lichtung fiel. Gute Nacht, Luca. Deine Dellen gehören zu dir. Und du glänzt.

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