Luca und Sparkcog Photographer
Der Gnomenwerkstatt-Morgen begann mit einem lauten KLONK.
Luca stolperte in die Werkstatt von Funkelfix — so nannten alle den kleinen Gnomen mit der riesigen Schutzbrille und dem immer verrutscht sitzenden Hut — und blieb staunend stehen.
Überall lagen Zahnräder. Schrauben. Blechdosen. Federchen so klein wie Ameisenzehen. Und mittendrin stand Funkelfix, die Arme in die Seiten gestemmt, und starrte auf einen Haufen aus Holz, Metall und etwas, das aussah wie ein aufgegessenes Butterbrot.
„Ah! Besuch! Genau richtig!", rief Funkelfix und winkte Luca heran. „Ich baue heute das Tollste, was Landorya je gesehen hat: den Sternenrufer! Ein Gerät, das Sternschnuppen einfängt und in Töne verwandelt. Hörst du eine Sternschnuppe fallen — macht es: Kling!"
Luca schaute auf den Haufen. „Und… funktioniert er?"
Funkelfix zog die Schutzbrille hoch. „Noch nicht."
In Lucas Kopf meldete sich Klipp — sein großer, sanfter Gorilla-Begleiter, der immer da war, auch wenn niemand sonst ihn sehen konnte. Klipps Stimme war warm wie ein Bauchkuscheln.
*Ich spüre, dass du heute etwas Raues mit dir trägst*, sagte Klipp leise. *Wie wenn man etwas baut und es fällt einfach um. Das ärgert. Das darf ärgern.*
Luca schluckte kurz. Dann nickte er — und rollte die Ärmel seines Sternenpyjamas hoch. „Dann helfe ich."
„Wunderbar!", jubelte Funkelfix und drückte Luca sofort eine Schraube in die Hand.
Sie bauten. Und bauten. Funkelfix erklärte fünfundzwanzig Mal, wo welches Zahnrad hingehörte, und Luca hielt die Teile fest, während der Gnom sie zusammenschraubte. Nach einer Weile — Klong, Ratsch, Schnipp — stand der Sternenrufer. Er sah aus wie ein Turm aus Töpfen, Federn und einer sehr verwirrten Wetterfahne obendrauf.
„Bereit?", flüsterte Funkelfix. Die Augen hinter der Schutzbrille blitzten.
Er drückte den großen roten Knopf.
Nichts.
Kein Kling. Kein Ton. Kein gar nichts.
Funkelfix drückte nochmal. Und nochmal. Und ein viertes Mal — diesmal so fest, dass der Knopf ein leises Quietschen von sich gab, das klang wie ein sehr kleines, sehr beleidigtes Mäuschen.
Und dann — WUMM — fiel der Sternenrufer um.
Zahnräder rollten in alle Ecken. Die Wetterfahne landete auf Funkelfix' Hut. Eine Schraube kullerte bis zu Lucas Füßen und blieb dort liegen, als würde sie sich schämen.
Funkelfix stand ganz still.
Dann ballte der Gnom die kleinen Fäuste. Die Ohren wurden rot. Die Unterlippe zitterte.
Luca kannte dieses Gefühl. Er kannte es sehr gut.
„Ich—", fing Funkelfix an, und die Stimme klang rau und eng. „Ich habe so lange gebaut. So lange! Und jetzt liegt alles auf dem Boden und es ist alles falsch und—"
Der Gnom brach ab. Setzte sich mitten in den Zahnrad-Haufen. Und schwieg.
Klipp raunte in Lucas Herz: *Siehst du? Er fühlt, was du heute gefühlt hast. Wenn etwas umfällt, das man so sorgfältig gebaut hat — das tut weh. Das macht wütend. Und das ist in Ordnung.*
Luca setzte sich neben Funkelfix. Die Werkstatt war sehr still.
Dann hob Luca die Schraube auf, die zu seinen Füßen gelegen hatte. Er drehte sie zwischen den Fingern. Und er schaute auf den umgefallenen Sternenrufer.
„Weißt du", sagte Luca vorsichtig, „vielleicht ist die Wetterfahne falsch herum."
Funkelfix blinzelte. „Wie meinst du das?"
„Sie zeigt nach unten. Aber Sternschnuppen kommen von oben. Vielleicht muss sie nach oben zeigen, damit der Sternenrufer weiß, wo er suchen soll."
Eine lange Pause.
Dann — ganz langsam — zog Funkelfix die Schutzbrille wieder herunter. „Das… ist nicht völlig falsch."
Klipp legte sich (nur für Luca spürbar) schwer und warm hinter ihn — wie eine riesige, gemütliche Stütze. Unter Klipps Gewicht fühlte sich der Boden fester an. Sicherer.
Sie bauten nochmal. Diesmal ruhiger. Funkelfix erklärte weniger und fragte mehr. Luca hielt nicht nur die Teile, er schlug vor, wo sie hingehörten. Die Wetterfahne wurde umgedreht. Ein kleines Glöckchen — das sie vorher übersehen hatten — wurde ganz oben befestigt.
Der Sternenrufer sah jetzt etwas schiefer aus als vorher.
Aber irgendwie… richtiger.
„Bereit?", fragte diesmal Luca.
Funkelfix nickte feierlich.
Luca drückte den roten Knopf.
Einen Moment lang: Stille.
Dann — von ganz oben, vom kleinen Glöckchen — ein Ton.
*Kling.*
Hell und klar und so schön, dass beide für einen Augenblick vergaßen zu atmen.
Funkelfix riss die Schutzbrille vom Gesicht und rieb sich die Augen. Dann lachte der Gnom — ein glucksiges, überraschtes Lachen, das klang wie Blasen in einer Limonade.
„Es klingt! Es klingt wirklich!"
Luca lachte auch. Und das Lachen fühlte sich leicht an — leichter als vorhin, als er noch das Raue im Bauch getragen hatte.
*Genau so*, sagte Klipp warm. *Wenn etwas umfällt, darf man sauer sein. Und dann — wenn man bereit ist — kann man es wieder aufheben.*
Funkelfix packte Luca an beiden Händen und tanzte einen kleinen Gnomen-Hüpftanz, bei dem der Hut dreimal fast herunterfiel. „Du bleibst ab jetzt mein Assistent! Ich habe noch siebenunddreißig Ideen, die alle garantiert beim ersten Versuch schiefgehen!"
„Garantiert?", fragte Luca.
„Mindestens!", versicherte Funkelfix fröhlich.
Als Luca die Werkstatt verließ, trug er das kleine Kling noch im Ohr.
Klipp trottete neben ihm, groß und gemächlich, und sein warmer Atem schob die Abendluft sanft beiseite.
*Du weißt jetzt, wie sich das anfühlt*, murmelte Klipp. *Wenn etwas umfällt. Und wenn man es trotzdem nochmal versucht.*
Luca schaute auf seine Hände.
Eben hatten sie etwas zusammengebaut, das klang.
Die Hände fühlten sich gar nicht so klein an.
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Schlaf gut, kleiner Luca.
Dein Kling ist schon unterwegs zu dir.
Es klingt die ganze Nacht.
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