Chapter 16

Das Feuer, das bleibt

Das Feuer, das bleibt – scene

Das Feuer, das bleibt

Als die drei Geschwister den Hügel hinunterstiegen und die ersten Dächer von Greenvale zwischen den Bäumen auftauchten, hörten sie das Dorf, bevor sie es sahen. Ein Jubeln, ein Rufen, das Läuten der kleinen Eisenglocke am Brunnen. Dann kamen die Menschen: Bäcker Hollund mit mehlbestäubten Händen, die alte Mira Voss, die sonst nie rannte, und eine ganze Meute Kinder, die so laut schrien, dass die Schwalben vom Dachfirst stoben.

Der Himmel über Greenvale war sauber. Nicht nur frei von Asche – er leuchtete in einem Blau, das James noch nie so tief gesehen hatte, als hätte jemand alle Farbe, die der Rauch gestohlen hatte, dreifach zurückgegeben. Der Abend legte sich golden darüber, und am Rand des Horizonts, genau dort, wo die Celestial Mountains sich in die Wolken schoben, glühte es noch immer ganz leise rot.

Sparky saß auf James' Schulter und gab einen Laut von sich, der halb Piepsen, halb Summen war. Seine Flügelspitzen strahlten warm wie eine kleine Lampe, und wer nah genug stand, konnte die Wärme auf der Wange spüren.

Mary wurde mindestens fünfmal umarmt, bevor sie das Tor zum eigenen Hof erreichte. Robert trug sein Buch fest vor der Brust und nickte bei jedem Schulterklopfen so ernsthaft, als nehme er eine offizielle Auszeichnung entgegen. James sagte nicht viel. Er lächelte, schüttelte Hände, ließ sich die Haare zerwuscheln und fand, dass das vollkommen in Ordnung war.

Am Abend roch das Haus der Starwinds nach gebratenen Zwiebeln und frischem Brot. Der Tisch stand genau so da wie immer: die Kerze mit dem schiefen Docht, das Tintenfass neben Roberts Platz, Marys Tasse mit dem abgesplitterten Henkel. Als hätte die Welt dort einfach gewartet, bis sie wiederkamen.

Robert und Mary erzählten. Sie erzählten von einer Reise, die sie einmal vor vielen Jahren zusammen gemacht hatten, von einem Fluss, der rückwärtslief, und von einem sprechenden Raben, dem sie nicht geglaubt hatten und der deshalb sehr beleidigt war. James aß sein Brot und hörte zu. Er unterbrach nicht, wenn Mary in ihrer Aufregung den Faden verlor. Er unterbrach nicht, als Robert eine Nebengeschichte in die Hauptgeschichte schob und dann eine dritte obendrauf stapelte.

Er wartete, bis die Geschichte über den Raben fertig war, und dann stellte er eine Frage: „Habt ihr euch je gefragt, ob der Rabe vielleicht nur deswegen gesprochen hat, weil jemand bereit war zuzuhören?"

Mary sah ihn an. Dann lachte sie – kein höfliches Lachen, sondern ein echtes, das ihr fast die Tasse umwarf. „Das ist neu", sagte sie und tippte ihm mit dem Finger an die Stirn. „Das ist wirklich neu."

James grinste. Sparky, der auf seiner Schulter eingenickt war, öffnete ein Auge und leuchtete kurz auf, als wäre auch er einverstanden.

Später, als Robert über seinen Aufzeichnungen saß und Mary das Geschirr abwusch und dabei vor sich hinsang, stieg James die schmale Holztreppe hinauf. Sein Zimmer roch nach Holz und etwas Rauchigem, das noch im Stoff der Gardinen steckte, aber es war ein guter Geruch, ein vertrauter.

Er legte sich nicht sofort hin. Er kniete auf dem Bett und schob das Dachfensterlein auf, gerade so weit, dass er hinausschauen konnte.

Die Celestial Mountains standen schwarz und still gegen den Nachthimmel. Ganz oben, wo der höchste Grat in die Dunkelheit ragte, schimmerte ein roter Punkt – so klein wie ein einziger Stern, aber wärmer.

James wartete nicht darauf, dass sich etwas bewegte. Er wartete nicht auf ein Zeichen. Er schaute einfach hin und spürte, wie etwas in seiner Brust weich wurde, wie Schnee, der auftaut, ohne Eile.

Er wusste, dass da oben jemand war, der seinen Namen kannte. Nicht den Laut-Namen, den seine Mutter gerufen hatte, wenn das Abendessen kalt wurde. Sondern den anderen: eine kleine orangerote Flamme, ruhig, ausdauernd, die nicht erlischt, wenn der Wind sich dreht.

Sparky schob sich unter sein Kinn und glühte leise.

James schloss das Fenster ganz sachte, als wolle er das Bild nicht stören, und legte sich hin. Er schlief ein, bevor die Kerze auf dem Fensterbrett heruntergebrannt war, und er träumte von gar nichts Bestimmtem – nur von Wärme und dem leisen Knistern, das ein Feuer macht, wenn es brennt, weil es brennen will.