Chapter 15

Ein Funke wird zum Namen

Ein Funke wird zum Namen – scene

Kapitel 15 – Ein Funke wird zum Namen

Der Feuerriese senkte den Kopf.

Es geschah langsam, so langsam wie ein Berggipfel, der sich im Abendlicht neigt. Und mit dieser Bewegung, dieser einen riesigen, ruhigen Geste, begann etwas zu geschehen, das James nicht erwartet hatte: Die Aschewolken über Greenvale lösten sich auf. Nicht dramatisch, nicht mit einem Donnern oder Bersten. Sie zogen sich einfach zurück, als würden unsichtbare Hände ein graues Tuch wegfalten. Und was darunter zum Vorschein kam, war Licht. Warmes, rotgoldenes Licht, das sich durch die Öffnung der Lavahöhle ergoss wie der Schein eines sehr zufriedenen Sonnenuntergangs.

James blinzelte. Die Wände der Höhle leuchteten in Kupfer und Bernstein. Das Nest des Wesens, freigelegt und offen, glühte in seiner Mitte wie eine schlafende Kerze.

Dann bewegte sich die riesige Hand.

Vorsichtig. Erstaunlich vorsichtig für etwas so Gewaltigem. Eine einzelne Fingerspitze, glutrot und flackernd, senkte sich in die Luft zwischen dem Wesen und Sparky. James sah, wie Sparky die Flügelspitze hob. Die beiden Feuer berührten einander für den Bruchteil eines Augenblicks. Es gab kein Zischen, kein Auflodern. Nur ein leises, warmes Pulsieren, das James im ganzen Körper spürte, wie wenn man die Hände um eine heiße Tasse hält.

Ein Gruß. Ein Wiedererkennen. Feuer, das Feuer begrüßt.

Dann richtete das Wesen seinen Blick auf James.

Dieser Blick war groß wie ein Fenster und tief wie ein Brunnen ohne Boden. James schluckte. Aber er zuckte nicht zurück. Er hatte in den letzten Stunden gelernt, dass man nicht stark sein muss, um standzuhalten. Man muss nur ehrlich sein. Und James war ehrlich. Er schaute zurück, offen und still, und ließ den Blick geschehen.

Und dann kam es.

Kein Wort. Keine Stimme. Keine Silbe, die man hätte aufschreiben können. Aber in James' Brust entstand ein Bild, so klar wie eine Zeichnung: eine kleine Flamme. Orangerot, nicht größer als eine Kerze. Sie brannte ruhig. Sie schwankte nicht. Sie brauchte keinen Wind, keine Aufmerksamkeit, kein Publikum. Sie brannte einfach, ausdauernd und zufrieden mit sich selbst.

James verstand. Das Wesen hatte ihm gerade einen Namen gegeben.

Seinen Namen.

Er lachte. Er konnte nicht anders. Das Lachen kam aus der Tiefe seines Bauches, warm und überrascht und so vollständig, dass es die ganze Höhle füllte. Es war kein höfliches Lachen und kein tapferes Lachen. Es war das Lachen eines Jungen, der gerade etwas Wunderbares verstanden hat und gar nicht fassen kann, dass es wirklich wahr ist.

Hinter ihm hörte er Mary. Er drehte sich kurz um. Sie stand mit dem Rücken zur Höhlenwand, die Arme verschränkt, und wischte sich mit dem Ärmel eine Träne vom Wangenknochen. Als sie merkte, dass er sie ansah, schüttelte sie den Kopf und winkte ihn ab, als wäre es gar nichts. Aber sie lächelte dabei.

Robert hatte sein Buch aufgeschlagen. Er schrieb. Nicht hastig, nicht mechanisch. Er schrieb sehr sorgfältig, die Zunge ein kleines Stück zwischen den Lippen. Dann hielt er inne, griff nach seinem dünnsten Bleistift und zeichnete am Rand der Seite eine kleine Flamme. Orangerot, soweit Bleistift das erlaubte.

Sparky leuchtete.

Nicht so, wie Sparky immer leuchtete, dieses vertraute, gemütliche Glühen. Diesmal war es anders. Heller, klarer, als wären alle Feuer, die Sparky je war, auf einmal zusammengekommen. Das ganze Nest schimmerte wider. James hob die Hand ein bisschen höher, damit das Wesen sehen konnte, wie schön Sparky gerade war.

Er dachte an die kleine Flamme, die ruhig und ausdauernd brannte.

Er dachte, dass er vielleicht schon immer so gewesen war. Er hatte es nur noch nicht gewusst.

Draußen über Greenvale wurde der Himmel blau.