Chapter 8

Allein im Regen

Allein im Regen – scene

Roberts Finger fühlten sich an wie zehn kleine Eisklumpen. Er versuchte, sie um den nassen Fels zu krallen, aber sie gehorchten ihm kaum noch. Der Regen peitschte ihm ins Gesicht wie nasse Sandkörner, und er blinzelte wild, um überhaupt etwas zu sehen.

Dort oben, keine drei Armlängen entfernt, tanzte sein roter Drachen im Sturm. Die Schnur zitterte, der Drachen riss und zerrte, als wollte er selbst davonfliegen. Robert streckte die Hand aus. Seine Finger griffen ins Leere.

Er holte tief Luft. Einen Schritt noch. Nur einen.

Sein linker Fuß suchte einen sicheren Stein, fand ihn, trat zu. Ein Knacken. Dann ein Poltern, das immer kleiner wurde, je tiefer der Stein in die Schlucht hinabklapperte. Roberts Herz klapperte mit.

Er warf sich flach gegen den Fels. Die raue Wand kratzte seine Wange, aber er presste sich trotzdem noch fester dagegen. Er schloss die Augen.

Hinter seinen Lidern sah er James. James, der heute Morgen geweint hatte, weil sein Drachen weg war. James, dessen Unterlippe so gezittert hatte, dass Robert gar nicht hinschauen wollte.

Er sah Mama. Wie sie abends die Lampe ausdrehte und noch einmal nach ihm schaute, bevor sie die Tür zumachte.

Und dann sah er sich selbst. Wie er heute früh ganz leise, ganz vorsichtig die Haustür hinter sich gezogen hatte. Damit ihn niemand hörte. Damit ihn niemand aufhielt. Damit er der Held sein konnte, ganz allein.

„Ich wollte doch nur helfen," flüsterte er. Seine Stimme zitterte genau so wie seine Hände.

Der Regen antwortete nicht. Der Wind antwortete nicht.

Aber irgendwo tief in seinem Bauch wusste Robert plötzlich etwas, das sich anfühlte wie eine schwere, warme Wahrheit: Er steckte fest, er war kalt, er war allein, und das alles genau deshalb, weil er allein sein wollte.

Unten im Tal, winzig wie zwei Marienkäfer, rannten Mary und James.