Das Wolkenkind, das nicht zur Ruhe kam

Eine Gute-Nacht-Geschichte aus Landorya

Illustration zur Geschichte „Das Wolkenkind, das nicht zur Ruhe kam"

In der schwebenden Himmelsstadt Wolkenholm, wo die Häuser aus Nebel und die Straßen aus Morgendunst gemacht sind, lebte ein kleines Wolkenkind namens Nimbi. Nimbi war klein und rund und weiß wie frischer Schnee, und sie hielt niemals, wirklich niemals still. Während die anderen Wolkenkinder langsam und ruhig an der Seite ihrer Eltern dahintrieben, sauste Nimbi. Sie raste von einem Ende des Himmels zum anderen und wieder zurück. Sie drehte sich zu flauschigen Schleifen und purzelte durch die Luft wie ein Hündchen, das seinen eigenen Schwanz jagt. Sie flitzte um die hohen Nebeltürme und erschreckte die verschlafenen Himmelsvögel. Sie konnte einfach keinen einzigen Augenblick lang stillsitzen — und als die Nacht endlich kam und es Zeit für alle Wolken war, sich zur Ruhe zu legen, wusste Nimbi nicht, wie.

„Komm und ruh dich jetzt aus, meine Kleine", rief ihre Mutter, eine weiche graue Regenwolke mit langsamer, sanfter Stimme. „Der Tag ist vorbei. Siehst du, wie der Himmel rosa und golden wird? Jetzt ist es Zeit für alle Wolken, tief und langsam zu treiben und sich für die Nacht niederzulassen."

Aber Nimbi konnte es nicht. „Wie lasse ich mich nieder?", rief sie und flitzte immer wieder im Kreis herum. „Meine Ränder sind ganz kribbelig! In meiner Mitte summt und summt es! Meine Puschel wollen nicht stillhalten! Ich weiß nicht, wie man leise ist — ich hab es noch nie gemacht!" Und je mehr sie sich sorgte und darüber grübelte, desto schneller und schneller raste sie, bis sie sich zu einer kleinen, hektischen Gewitterwolke aufgewickelt hatte, dunkel und grummelnd und an jeder Ecke von winzigen Funken knisternd.

Da kam der alte Westwind herangetrieben. Er war der älteste und sanfteste aller Winde der Welt, und er hatte Wolken schon in den Schlaf gewiegt, lange, lange bevor die Berge jung waren. Er sagte Nimbi nicht, sie solle aufhören. Er schimpfte nicht mit ihr und sagte ihr nicht, sie solle stillhalten oder sich „beruhigen" — was in der ganzen Geschichte des Himmels noch nie irgendjemandem geholfen hat, sich zu beruhigen. Stattdessen begann er einfach zu wehen, ganz, ganz sanft und ganz, ganz langsam, rings um sie herum.

„Du kannst dich nicht dazu zwingen, zur Ruhe zu kommen, kleine Wolke", murmelte der alte Wind und legte sich warm um sie. „Keine Wolke kann das je. Zur Ruhe kommen ist nichts, was man tut. Es ist etwas, das man geschehen lässt. Also hör für einen Augenblick auf, es zu versuchen. Hier — lehn dich an mich, und lass mich das Treiben für dich übernehmen."

Nimbi war inzwischen viel zu müde, um zu widersprechen. Also hörte sie auf, all ihre kribbelnden Ränder zusammenzuhalten, und lehnte sich, nur ein klein wenig, in die langsame warme Strömung des Westwinds. Und sogleich begann der Wind, sie ganz sanft zu tragen, in einem langen, trägen Gleiten hinaus über den dunkler werdenden Himmel.

„So. Spürst du das?", hauchte der Wind. „Du musst nicht mehr rasen. Du musst dich nicht mehr selbst halten — ich halte dich. Lass deine Ränder weich werden. Lass deine Mitte still werden. Lass deine kleinen Funken verglühen. Ich hab dich sicher, und das werde ich immer haben. Ich habe tausendmal tausend Wolkenkinder vor dir in den Schlaf getragen, und ich habe nie auch nur ein einziges fallen lassen."

Und langsam — denn so etwas lässt sich einfach nicht in Eile tun — begann Nimbi, sich auszubreiten. Ihre hektisch summenden Ränder wurden weich und federig und ruhig. Ihre dunkle grummelnde Mitte wurde blass und friedlich. Ihre knisternden Ecken glätteten sich davon. Sie hörte auf, ein festes, verspanntes kleines Gewitterknäuel zu sein, und wurde stattdessen ein langer, loser, verschlafener Schleier, dünn und weich und golden über das allerletzte Licht des Tages gespannt.

„So ist es recht", sagte der Westwind. „So schläft eine Wolke ein. Nicht durch Anstrengung. Durch Loslassen, immer nur ein kleines bisschen nach dem anderen, bis du am Ende ganz vergisst, dass du dich je festgehalten hast."

Nimbi trieb dahin. Sie konnte die weiche graue Gestalt ihrer Mutter dicht neben sich ruhen spüren und all die anderen Wolkenkinder, die sich dünn und friedlich quer über den weiten Abendhimmel breiteten und schwach rosa und golden und lila glühten, während die Sonne still hinter dem Rand der Welt davonglitt. Sie war jetzt eine von ihnen — kein einsam rasendes Pünktchen mehr, sondern Teil einer langen, sanften Wolkendecke, weich über die ganze schlafende Welt darunter gelegt.

„Ich bin zur Ruhe gekommen", flüsterte sie und staunte über sich selbst. „Ich wusste gar nicht, wie — und ich bin trotzdem zur Ruhe gekommen."

„Das bist du in der Tat", sagte der Westwind sanft. „Du konntest es immer, von Anfang an. Du musstest nur aufhören, dich so sehr anzustrengen, und den großen weiten Himmel dich halten lassen."

Und dort, gehalten vom ältesten und sanftesten Wind von allen und auf jeder Seite von ihrer Familie umgeben, kam das kleine Wolkenkind, das niemals stillhalten konnte, endlich zur Ruhe, wurde dünner und weicher und schlief ein — weit und ruhig und friedlich über den ganzen stillen Abendhimmel von Wolkenholm gebreitet, bis die warme Morgensonne heraufkletterte, um sie sanft wieder einzusammeln.

Aus der Welt Landorya: Cloudholm

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