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Mythologie & Religion

Die Religion der Islanders kreist um die Nereids – göttliche Seewesen, die nach der grundlegenden Mythologie den Archipel als Geschenk an die Oberwelt aus dem Ozean emporsteigen ließen. Die Nereids werden nicht als Götter im gebieterischen, interventionistischen Sinne verstanden, sondern als ältere Verwandte: Wesen von unbegreiflicher Tiefe und Macht, die sich dennoch um die Islanders sorgen, wie ein Elternteil sich um ein Kind sorgen mag, das fähig geworden ist, eigenständig zu leben. Gebete sind an sie gerichtet, nicht in Anflehung, sondern in Dankbarkeit und Zwiesprache.

Die Nereid Canticles – ein Korpus heiliger Dichtung, von den Abyssal Scribes in Pearl Script bewahrt – bilden das, was den Islanders am nächsten an einem heiligen Text kommt. Diese Gedichte beschreiben das Wesen der Nereids in Ozeanmetaphern: Ihre Liebe ist die tiefe Strömung, beständig unter der Oberflächenunruhe; ihre Führung ist der Schimmer, stets sichtbar, doch nie ganz greifbar; ihre Gerechtigkeit ist die Gezeit, unausweichlich und unpersönlich, weder gütig noch grausam.

Die Mythologie der Ocean's Children – der ersten Bewohner, die aus dem verzauberten Schaum hervortraten – liefert das geistige Fundament der insulanischen Identität. Von jedem Islander wird verstanden, dass er einen Teil jenes ursprünglichen Hervortretens trägt, wie sehr auch durch Generationen der Siedlervermischung verdünnt. Die Zeremonie der Tidemark, jedes Jahr im Temple of the Tides vollzogen, bekräftigt diesen gemeinsamen Ursprung rituell, indem sie jeden anwesenden Islander einlädt, die uralte Hochwasserinschrift im Tempelboden zu berühren – um Kontakt mit dem im Stein bewahrten Augenblick aufzunehmen, da die Autorität des Ozeans erstmals das Land traf.

Auch geringere Meeresgeister werden anerkannt und beschwichtigt. Horace Deepwater, ein im Ruhestand befindlicher Fischer, der nun als Schreinhüter der kleinen Geisterkapelle der äußeren Insel am Point Perilous dient, pflegt die Tradition, Opfergaben für die Tang-Geister und Strömungs-Läufer auszulegen, von denen man glaubt, dass sie die örtlichen Fischbedingungen beeinflussen. Diese Praktiken bestehen behaglich neben der förmlichen Nereid-Religion und nehmen das innige, alltägliche Register ein, das die organisierte Religion selten erreicht.