Lokale Mythen & Erzählungen
Die am weitesten bekannte Geschichte der mystaranischen mündlichen Kultur ist die Erzählung von der Ersten Entzündung — eine Erzählung, die in ihren verschiedenen Fassungen den Augenblick berichtet, da das erste mystaranische Kind spontane magische Fähigkeit in Gegenwart eines ungläubigen Elternteils bekundete. Die Geschichte variiert in Einzelheiten über verschiedene Nacherzählungen und verschiedene Gemeinschaften hinweg, doch ihr emotionaler Kern ist stets beständig: die Furcht des Elternteils, die dem Staunen weicht, die Verwirrung des Kindes, die dem Erkennen weicht, und die Entzündung selbst, beschrieben als ein Augenblick, in dem ein kleines Licht nicht aus den Händen des Kindes, sondern aus irgendwo tief in der Brust erschien und die Arkanen Glyphen des Kindes zum ersten Mal erhellte. Die Erzählung wird nicht als historisch, sondern als archetypisch verstanden und verschlüsselt die mystaranische Überzeugung, dass magische Fähigkeit kein äußerer Erwerb ist, sondern ein Hervortreten von etwas Innewohnendem.
Die Ballade von Velisandres Letztem Gang ist die zweite große kanonische Erzählung — eine Erinnerungs-Webung statt einer mündlichen Tradition, zugeschrieben Echo dem Erinnerungsseher, der sie aus Spuren rekonstruiert haben soll, die im umgebenden magischen Feld zur Zeit von Velisandres Aufbruch hinterlassen wurden. Ob die Rekonstruktion genau oder teils erdacht ist, ist Gegenstand fortlaufender gelehrter Debatte. In der Ballade bricht Velisandre nicht von einem bestimmten Ort auf, sondern wandert einfach durch die Nebellande, während die Nacht hereinbricht, und der Nebel schließt sich allmählich um sie, und sie wandert weiter, und schließlich gibt es nur den Nebel und das schwache Leuchten ihres Glyphen-Musters, das sich darin zurückzieht.
Die Parabel vom Leeren Schleier ist die primäre Lehrgeschichte, die mit dem Fünften Großen Mysterium verbunden ist — dem Zweck der Magie selbst. In ihr entdeckt ein Praktiker eine Tasche von absolutem null arkanen Gehalt tief innerhalb der Ley-Konvergenz und verbringt sein Leben damit, sie zu studieren, nur um am Vorabend des Todes zu schließen, dass der Leere-Raum keine Abwesenheit ist, sondern der einzige wahre und ursprüngliche Zustand von allem, und dass das, was wir das magische Feld nennen, das ist, wie das Universum von innerhalb eines Gedankens aussieht. Die Parabel gilt als allein für fortgeschrittene Schüler geeignet.