Chapter 7
Das Feuer öffnet ein Auge
Der Tunnel, durch den sie krochen, wurde enger und heißer, bis er sich mit einem einzigen, tiefen Atemzug öffnete – und plötzlich waren sie da.
James blieb so abrupt stehen, dass Mary fast gegen seinen Rücken prallte. Er hörte sie hinter sich leise nach Luft schnappen, hörte Robert ein einzelnes erstauntes Wort murmeln, das sofort in der Stille versank. Sparky, der kleine Lichtgeist, drückte sich still an James' Schulter, und sein übliches warmes Leuchten wurde kleiner, als wollte er sich unsichtbar machen.
Die Höhle war gewaltig.
Sie war so groß, dass James dachte, man könnte das ganze Dorf Greenvale darin unterbringen, Kirche, Marktplatz und alles. Die Wände wölbten sich in einer Kuppel, deren Spitze im Dunst verschwand, und überall flossen dünne Bäche aus glühendem Gestein die Felsen hinab wie leuchtende Adern. In der Mitte der Höhle lag ein breiter, runder Kessel, tiefer als drei Männer hoch, und darin brodelte das Magma träge und schwer, orangerot und leise grollend, wie ein sehr großes, sehr altes Tier, das schläft und dabei träumt.
Dann hörte das Brodeln auf.
Stille. Eine so vollständige Stille, dass James seinen eigenen Herzschlag hörte.
Aus dem Kessel stieg etwas auf.
Zuerst schien es nur Rauch zu sein, dann Hitzeflimmern, wie die Luft über einem Sommerfeld, wenn man die Augen zusammenkneift. Aber die Form wurde größer und klarer und fester, aus Flamme und Asche und Glut zusammengehalten von einem Willen, den man spüren konnte wie eine Hand, die sich um die Brust legt. Eine gewaltige Gestalt, so hoch wie ein alter Eichenbaum, mit Schultern breit wie eine Scheunenwand und Fingern, die wie brennende Äste in die heiße Luft ragten.
Und dann öffnete das Wesen die Augen.
Zwei glutrote Lichter, rund und groß wie Mühlsteine, ruhten auf der kleinen Gruppe an der Höhlenwand. James hatte das Gefühl, angeschaut zu werden wie ein Insekt auf einem Stein, sehr genau, sehr gründlich, von etwas, das seit Jahrhunderten Zeit hatte, alles genau anzusehen.
„Es ist verletzt", flüsterte Robert neben ihm. Seine Stimme war kaum lauter als ein Atemzug. „Schau doch, James. Die linke Seite. Die Asche dort ist schwärzer, die Flammen sind kleiner. Da ist etwas zerbrochen."
James sah es nicht. Was er sah, war eine Wand aus Hitze und Feuer, die sich zwischen der Gruppe und dem Ausgang befand. Was er sah, war Greenvale in Flammen, wenn dieses Ding sich umdrehte und die falschen Wege einschlug. Was er sah, war eine Gefahr, so groß wie eine Gefahr nur sein konnte.
Das Wesen drehte sich langsam zu ihnen.
Es gab kein Wort, keine Warnung. Nur einen langen, grollenden Atemzug, und dann kam eine Welle heißer Ascheluft auf sie zu wie eine unsichtbare Woge. James wurde von den Füßen gerissen. Er flog rückwärts, landete mit dem Rücken gegen die Höhlenwand und spürte, wie die Hitze über ihn hinwegschwappte, wie Sandpapier auf Haut, nicht brennend, aber scharf und bestimmend, wie eine Ermahnung, die man nicht ignorieren kann. Mary und Robert knallten neben ihm gegen den Felsen, Sparky flatterte und funkelte wie eine Kerze im Wind.
Dann war es vorbei. Die Stille kehrte zurück.
„Ruhig sein", keuchte Robert. Er hustete einmal und legte eine Hand an die Wand, um sich aufzurichten. „Jetzt. Bitte. Kein Lärm, keine Bewegung, kein..."
Aber James hatte sich schon aufgerichtet.
Er stand mit beiden Beinen fest auf dem Höhlenboden. Die Hitze hatte ihm die Wangen gerötet und den Atem geraubt, aber seine Hände ballten sich zu Fäusten, so fest, dass die Knöchel blass wurden. Er starrte auf die gewaltige Gestalt aus Glut und Flamme, und in seiner Brust brannte etwas, das sich anfühlte wie Entschlossenheit, das sich aber, hätte jemand genauer hingeschaut, auch ein wenig nach Angst angefühlt hätte.
Er wollte kämpfen. Er wusste nur noch nicht womit.