Chapter 8
Was im Feuer brennt
Sparky ließ sich von niemandem aufhalten.
Bevor James auch nur einen Schritt nach vorn machen konnte, hatte der kleine Feuervogel die Höhlenluft bereits mit einem einzigen Flügelschlag geteilt. Er stieg auf, federleicht und orange wie eine Kerze im Wind, und setzte sich auf einen schmalen Felsvorsprung, der wie ein Zeigefinger über den glühenden Kessel ragte. Von dort unten sah das Elementarwesen riesig aus, fast zu groß, um wahr zu sein: ein Wesen aus aufgetürmter Glut, aus Asche und flimmernder Hitze, die Augen wie zwei Sonnen, die jemand vergessen hatte auszumachen.
James hielt den Atem an.
Sparky öffnete den Schnabel.
Es war kein lauter Ton. Eher ein Summen, das sich langsam zu etwas entfaltete, das man nur im Brustkorb wirklich hörte. Eine Melodie ohne Anfang und ohne Ende, leise und gleichmäßig wie ein Herz, das ruhig schlägt. Sparky zwitscherte, und die Töne rollten über den Kessel wie Steine über ein stilles Wasser.
Eine lange Pause folgte.
Dann antwortete das Wesen.
Es war kein Brüllen. Es war ein Grollen, so tief, dass James es eher in den Knien spürte als im Ohr. Ein Laut, der nicht nach Zorn klang, sondern nach etwas viel Schwerem. Nach etwas, das man lange mit sich getragen hat, bis es zu schwer geworden ist.
Mary stand neben James, die Hände vor den Mund gepresst. Sie flüsterte so leise, dass die Worte kaum Form annahmen.
„Das ist kein Angriff", sagte sie. „Das ist... das Wesen trauert."
Robert nickte langsam, als hätte er es schon geahnt, aber gehofft, falsch zu liegen.
Bruder Ossians Worte kamen James in den Sinn. Der alte Mönch hatte von einem Nest gesprochen, einem uralten, das tief unter den Felsen lag. Ein Erdbeben vor einer Woche. Verschüttete Steine. Ein Zuhause, begraben unter dem eigenen Berg.
Für einen Moment stand James einfach da.
Er dachte an seinen Hund, der einmal tagelang am Korb einer alten Decke gesessen hatte, nachdem man sie weggeworfen hatte. Dieser Blick. Dieses stille, ratlose Warten auf etwas, das nicht mehr zurückkam. Das Wesen da unten hatte denselben Blick, nur war er aus Feuer gemacht, und er erhellte die ganze Höhle damit.
James spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog. Echtes Mitleid, warm und unerwartet, wie ein Tropfen Regen auf heißem Stein.
Aber dann, sehr schnell, kam etwas anderes.
Ein Gedanke, der sich wie ein Funke entzündete und sofort heller brannte als das Mitleid.
Wenn er das Nest befreite. Wenn er die Steine wegräumte, das Wesen beruhigte, den Berg rettete. Dann wäre es er, James, der Greenvale gerettet hatte. Nicht Mary mit ihren klugen Fragen. Nicht Robert mit seiner leisen Stimme. Nicht Bruder Ossian mit seinen alten Büchern. Er allein, ohne Hilfe, der Junge, der in den Feuerberg gegangen und als Held zurückgekehrt war.
Er ließ das Grollen des Wesens nicht wirklich an sich herankommen. Er ließ Sparkys Melodie nicht sacken. Er ließ den Moment nicht atmen.
Stattdessen begann sein Kopf zu rechnen.
Der verschüttete Felsen musste irgendwo auf der Westseite liegen, dort wo die Decke in Kapitel sieben abgebröckelt war. Wenn er allein vorausging, schnell und ohne Aufhebens, konnte er die Steine freilegen, bevor die anderen überhaupt begriffen, was er vorhatte. Er würde einfach machen. Einfach handeln. Das war doch Mut, oder?
Sparky zwitscherte noch immer, und das Wesen grollte leise zurück, und die Höhle war für diesen einen Augenblick so still und so voll Trauer, dass selbst die Lavawände zu lauschen schienen.
James sah das alles. Und er schmiedete einen Plan.